Künstliche Intelligenz wird häufig als eine einheitliche Technologie dargestellt. Hinter einem dialogorientierten Assistenten oder einem intelligenten Agenten verbirgt sich jedoch ein mehrschichtiger Technologie-Stack, der von der Hardware bis zur Benutzeroberfläche reicht. Jede dieser Komponenten bringt unterschiedliche Herausforderungen im Hinblick auf die digitale und technologische Souveränität mit sich. Aus diesem Grund habe ich anlässlich der Veranstaltung Nexus in Luxemburg ein neues Analysemodell vorgestellt, das dabei hilft, die tatsächlichen Abhängigkeiten besser zu verstehen und die Handlungsspielräume zu identifizieren, über die Organisationen heute verfügen.
Wenn eine Führungskraft eine KI-Lösung betrachtet, sieht sie zunächst eine einzige Anwendung. Tatsächlich handelt es sich jedoch um fünf Schichten, die gemeinsam funktionieren. Wenn wir über Fragen der Souveränität sprechen, können wir uns eine KI daher wie einen Hamburger vorstellen, der aus mehreren übereinanderliegenden Schichten besteht. Entscheidungsträger können sich heute am Modell des „AI Burger“ orientieren, um die technologischen Abhängigkeiten ihrer KI-Projekte zu erfassen und zu steuern und damit zur technologischen Souveränität Europas beizutragen.
Die fünf Schichten der künstlichen Intelligenz
Das Modell des „AI Burger“ besteht aus fünf Schichten, die jeweils auf der darunterliegenden Schicht aufbauen:
- „Harness“: die für den Nutzer sichtbare Schicht. Sie umfasst Benutzeroberflächen, dialogorientierte Assistenten und KI-Agenten, über die die Interaktion erfolgt.
- „Middleware“: die Schicht zur Steuerung von Datenflüssen, Zugriffsrechten, Ressourcenverbrauch und Observability.
- „Models“: die Modelle selbst und damit das Herzstück des Systems.
- „Inference Software“: die Inferenzschicht, die die KI-Modelle auf der zugrunde liegenden Infrastruktur ausführt.
- „Hardware“: Prozessoren, GPUs, Speicher und Beschleuniger, die für den Betrieb der Modelle unverzichtbar sind.

Die zwei Dimensionen der Souveränität
Meiner Ansicht nach kann die Souveränität der verschiedenen KI-Schichten nicht mehr als eine einzige, globale Fragestellung betrachtet werden. Sie beruht auf zwei sich ergänzenden Konzepten:
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Ursprungssouveränität - Sie befasst sich mit der Herkunft der eingesetzten Technologien:
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Wer hat sie entwickelt?
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Wo befindet sich das geistige Eigentum und wem gehört es?
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Wie ist die Lieferkette aufgebaut?
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Operative Souveränität - Sie betrifft den täglichen Betrieb der Lösungen:
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Wo werden die Daten verarbeitet?
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Wer betreibt die Lösung und kann auf die Systeme zugreifen?
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Wer könnte künftig einen Dienst unterbrechen, der für eine Organisation unverzichtbar geworden ist?
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Vor dem Hintergrund dieser Unterscheidung stellt sich die Frage, ob eine ausländische Verwaltung oder ein Anbieter von einem Tag auf den anderen beschließen könnte, den Betrieb einer für eine KI-Lösung wesentlichen Komponente einzuschränken. Die jüngsten von den USA verhängten Beschränkungen beim Zugang zu bestimmten sensiblen Technologien zeigen, dass solche Szenarien längst nicht mehr rein hypothetisch sind.
Nicht alle Schichten weisen dasselbe Abhängigkeitsniveau auf
Ist es heute also möglich, wirklich souveräne KI-Lösungen einzusetzen? Dieses Analysemodell ermöglicht es, die relevanten Risikobereiche und Abhängigkeiten genauer zu identifizieren.
Die „Hardware“-Schicht wird weiterhin weitgehend von einigen wenigen US-amerikanischen Anbietern dominiert. Die für das Training und die Inferenz von KI-Modellen benötigten GPUs werden überwiegend außerhalb Europas hergestellt. Diese Abhängigkeit stellt derzeit unsere größte Herausforderung im Bereich der Ursprungssouveränität dar.
Die „Inference Software“-Schicht kann dagegen mittlerweile auf ausgereifte europäische Open-Source-Technologien zurückgreifen. Diese setzen wir in souveränen Cloud-Umgebungen ein, wie beispielsweise in der von DEEP angebotenen Cloud, ohne dadurch besondere technologische Abhängigkeiten zu schaffen.
Offene Modelle bevorzugen
Die KI-Modelle, also die „Models“-Schicht, stellen eine weitere zentrale Herausforderung dar. Proprietäre Frontier-Modelle gehören zwar weiterhin zu den leistungsfähigsten Lösungen, doch Open-Weight-Modelle entwickeln sich schnell weiter. In zahlreichen Anwendungsfällen erreichen sie mittlerweile ein Leistungsniveau, das sich dem geschlossener Modelle annähert.
Diese Entwicklung ermöglicht es Organisationen, Modelle direkt in ihrer eigenen Infrastruktur oder in einer Cloud ihrer Wahl zu betreiben und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. In diesem Bereich müssen meiner Meinung nach künftig mehr europäische Akteure entstehen, die in der Lage sind, eigene Modelle zu entwickeln.
Die „Middleware“-Schicht wird in Diskussionen über KI-Souveränität häufig außer Acht gelassen, spielt jedoch eine strategische Rolle. Sie orchestriert den Austausch zwischen Nutzern, Modellen und Anwendungen. Dabei verwaltet sie unter anderem Zugriffsrechte, API-Schlüssel, Datenflüsse, die Nutzung verschiedener Modelle und den Ressourcenverbrauch.
Sämtliche Informationen und Interaktionen laufen über diese Schicht. Ist sie unzureichend geschützt oder von einer ungeeigneten Technologie abhängig, kann sie zu einer erheblichen Schwachstelle werden. Auch hier ermöglichen offene Lösungen sowie die Wahl des richtigen Partners für Implementierung und Hosting bereits heute den Aufbau kontrollierter Architekturen in europäischen Umgebungen.
Die „Harness“-Schicht schließlich ist die Anwendungsschicht, zu der dialogorientierte Assistenten, KI-Agenten und Benutzeroberflächen gehören. Obwohl sie weiterhin von US-amerikanischen Akteuren dominiert wird, entwickelt sie sich auch in Europa dynamisch weiter. Es entstehen zunehmend Lösungen, die zahlreiche geschäftliche und branchenspezifische Anforderungen erfüllen können.
Die europäische Souveränität weiter stärken
Die gute Nachricht ist, dass operative Souveränität mittlerweile erreichbar ist. Durch kontrollierte Infrastrukturen, offene Technologien und Partner, die diese verschiedenen Komponenten integrieren können, sind Organisationen in der Lage, KI-Lösungen einzusetzen und gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten und ihre technologischen Umgebungen zu behalten.
Genau auf diese Herausforderungen reagiert der Ansatz, den wir bei DEEP gemeinsam mit OVHcloud entwickeln. Wir bieten eine souveräne Cloud-Infrastruktur, in der KI-Lösungen auf der Grundlage offener und europäischer Technologien betrieben werden. Dadurch behalten Organisationen die operative Kontrolle über ihre Umgebungen.
Die Ursprungssouveränität bleibt dagegen eine komplexere Herausforderung, insbesondere auf der „Hardware“-Schicht. Europa ist bei bestimmten wesentlichen Komponenten weiterhin stark von ausländischen Anbietern abhängig. Dies betrifft insbesondere GPUs und in geringerem Maße auch Foundation Models.
Das Erreichen einer umfassenden Ursprungssouveränität wird noch Zeit, Investitionen und die Entstehung neuer europäischer Akteure erfordern. Die notwendigen Grundlagen sind jedoch bereits vorhanden. Nun gilt es, unser Ökosystem weiter zu stärken, damit Europa künftig die gesamte Wertschöpfungskette der künstlichen Intelligenz kontrollieren kann.
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